Bühne
Doppelt genäht hält besser: Pointen hoch zwei mit den Zwillingen
Die Comedy-Night der Kulturkommission Freienbach war mit 250 Personen restlos ausgebucht. This und Roland Portmann alias «Die Zwillinge» boten am Freitag mit ihrem Programm «Voll auf die 2» viel Tempo, Spielfreude und Selbstironie.
Wer im Gemeinschaftszentrum Freienbach Platz nahm, wusste rasch, worauf er sich einliess: «Wenn Sie hochstehenden Humor lieben, philosophisch angehaucht und stets korrekt sind, dann sind Sie hier genau falsch.» In einem Interview bezeichnete das eineiige Duo seinen Stil als «Schenkelklopferhumor » und will den Begriff nicht negativ verstanden wissen.
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Die Portmanns machten den Saal zum Teil der Show. Der Kulturprüfungs-Beamte Linus Oberhänsli-Pfamatter mit Artikulationsproblemen analysierte die Anwesenden. Wer nicht aus dem Kanton Schwyz kam, als Expat im Saal sass, eine aufklappbare Handyhülle besitzt (Indikator für Alter) oder mehr als 200000 Franken verdient, musste die Hand heben. «So sehen die also aus, diese Steuerflüchtlinge», hiess es in Richtung Gäste. Auch die neue Beschriftung der Freienbacher Feuerwehrautos, der «Grüseltempel» Alpamare und das «richtige Pfäffikon» im Zürcher Oberland, aus dem die Brüder stammen, boten komödiantischen Stoff.
Per WhatsApp konnten Fragen zur seltenen Spezies der Zwillinge gestellt werden, wovon rege Gebrauch gemacht wurde. Eingespielte Strassenumfragen, ein live kommentierter Netz-Natur-Beitrag, eigenwillige Figuren und nicht zuletzt eine Supermarkt-Szene hielten die Darbietung in Fahrt: Bekannte Songs wurden dort verballhornt, von «079» zu «nur 7.90», von «Billie Jean» zu «billig Jeans» oder von «Waterloo» zu «Wasser pur».
Lachmuskeln ordentlich strapaziert
Politisch wurde es bei Themen wie Gendern, progressiven Geschlechterrollen, Fleischersatzprodukten und kultureller Aneignung. Rund um den plötzlich aufgetauchten, seltenen Vogel «quergestreifter Schabrackenlutscher» entstand eine urkomische Schutzdebatte: Freienbach sollte für ein Feuchtgebiet als Lebensraum geflutet werden, bis eine Figur Zürich als Alternative ins Spiel brachte, auf die sich alle einigen konnten. Besondere Treffsicherheit bewiesen die beiden Familienväter bei den kleinen Ärgernissen des Alltags, die fast alle kennen: Wenn man bei der Einkaufstasche auf einer Seite den langen und auf der anderen den kurzen Henkel erwischt, die Kaffeetasse in die Spülmaschine stellt und erst danach den Kaffee darin bemerkt oder die WC-Rolle falsch herum hängt.
Die Pointen wurden oft weniger mit feiner Klinge als mit dem Schlegel gesetzt, mancher bewusst flache Kalauer gehörte ausdrücklich zum Programm, ebenso die selbst mitgebrachte Unterwäsche, die sie aus dem Publikum auf die Bühne werfen liessen. Doch gerade weil die Zwillinge ihren Humor nie vornehmer ausgaben, als er sein wollte, wirkte der Abend stimmig und authentisch. Timing, Präsenz und Schlagfertigkeit sassen durchs Band und fan-den breiten Anklang bei Jung und Alt.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter
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Höfner Volksblatt & March Anzeiger
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