Musik

Mehr als Menuette: Das unterschätzte Instrument

Das ConTatto Blockflöten-Orchester Höfe zeigte in Pfäffikon, wie reich ein Instrument klingen kann, das viele vor allem aus der Schulzeit kennen. «On y danse» führte von feudaler Maskerade bis zu Appenzeller Naturjodel.

Wer zur Primetime fernsieht, begegnet früher oder später der Luzerner-Rahmkäse- Werbung. Ein Mädchen spielt dort auf der Sopranblockflöte ihren Beitrag dazu, dass der Käse mild wird. Zunächst hört man die Melodie so, wie sie in ihrer Vorstellung klingt. Erst dann wird klar, dass die Töne in Wirklichkeit ziemlich schräg geraten.

 

Gegenteil von krächzigem «Schulblockflöten-Style»

Für Ansagerin Prisca Schoenahl steht dies für ein klischiertes Bild, das der Blockflöte bis heute anhaftet. Jedes Instrument klinge am Anfang unbeholfen, sagte sie. Nur werde die Blockflöte besonders oft auf diese ersten Gehversuche reduziert. Dass sie weit mehr kann, zeigte ConTatto gleich zu Beginn des Konzerts. Zunächst standen Malin, Lavinia, Felice und Joel im Mittelpunkt. Die vier Orchesterpraktikanten spiel-ten die ersten Werke gemeinsam mit dem von Josef Manser aus Wilen geleiteten Ensemble.

Tanz war in diesem Programm nie bloss Unterhaltung. In Farnabys «Lord Zouche’s Maske» wurde er zur höfischen Selbstdarstellung, in Rameaus «Danse des Sauvages» zum Friedenszeremoniell, in Griegs «Anitras Tanz» zur Verführung. Händels «Sarabande » brachte getragenen Ernst, Robinsons «Dance» schottische Frische und mit einem Appenzeller Rugguserli hielt auch die Schweizer Volksmusik Einzug. Marg Halls «Klezmer Fantasia » traf jenes nahe Beieinander von Lachen und Weinen, das diese osteuropäisch- jüdische Musiktradition prägt.

 

Arrangements selber gschrieben

Weil die Querflöte die Blockflöte nach dem Barock verdrängte, gibt es aus Klassik und Romantik kaum Originalliteratur. Manser arrangiert solche Stücke deshalb selbst. Gerade Tschaikowskys Blumenwalzer und Joplins «Gladiolus Rag» gewannen dadurch: Man meinte sie zu kennen und hörte doch neue Klangfarben. Rolf Sussmann am Akkordeon, dem Instrument des Jahres 2026, fügte sich mit seinem Gastspiel glänzend ein. Der Abend blieb bis zuletzt in Bewegung: mal neckisch, mal wild, mal elegant, mal schräg, und immer nah am nächsten Wippen mit dem Fuss.

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

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Kategorie

  • Musik

Publiziert am

09.06.2026

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