Dies & Das
Quo vadis Zeughaus Pfäffikon?
Während Kulturkommission und Kanton das Zeughaus als «Leuchtturmprojekt» für bildende Kunst sehen, will der Gemeinderat zuerst die Nutzung optimieren, bevor Millionen investiert werden.
Die Freienbacher Gemeindeversammlung am 10. April verlief fast reibungslos, nur in einem einzigen Punkt gab es Differenzen: Für das 13,6 Millionen schwere Umnutzungs- und Sanierungsprojekt Zeughaus Pfäffikon setzte der Gemeinderat einen Projektstopp fest. Seit Beginn der Planung hätten sich wesentliche Faktoren geändert, so könnten Jugendarbeit, Schwingklub und Narrenmuseum, die nach den ursprünglichen Plänen ins Zeughaus ziehen sollten, in den bestehenden Gemeinderäumlichkeiten verbleiben. Ausserdem sei die Finanzierung des Betriebs auf längere Sicht unsicher. Darum erachte der Gemeinderat das vorliegende Projekt als insgesamt nicht notwendig. Man verschliesse sich dem Zeughausprojekt nicht, lege das Projekt aber nicht wie vorgesehen zur Abstimmung vor.
Verena Vanomsen, SP-Mitglied und frühere Präsidentin der Freienbacher Kulturkommission, zeigte sich bei ihrem Auftritt vor der Gemeinde «konsterniert» über diesen Entscheid. In einem Rückblick leitete sie den Werdegang des Vorhabens seit 2012 her, als die Gemeinde nach einem deutlichen Urnenentscheid dem Bundesamt für Rüstung Armasuisse das Zeughaus im Baurecht für knapp zwei Millionen Franken abkaufte (siehe unten). «Seit 2013 haben wir rund drei Millionen Franken in das Zeughaus gesteckt. Vor 14 Jahren wurde uns versprochen, dass dem Volk eine Vorlage unterbreitet wird. In den letzten vier Jahren ist immer wieder bestätigt worden, dass eine Sachvorlage kommt, weil der aktuelle Zustand und das aktuelle Konzept nicht ‹verhebbet›. Jetzt liegt eine Sachvorlage vor, aber der Gemeinderat erachtet es als unnötig, diese der Stimmbevölkerung vorzulegen», meint sie kopfschüttelnd. Das Vorgehen des Gemeinderats widerspreche der damaligen Botschaft, die SP Freienbach überlege sich ihr weiteres Vorgehen in dieser Sache.
Alt Kantonsratspräsident Christoph Räber meinte diplomatisch, er hoffe, die eingelegte «Denkpause» sei keine Pause im Denken, sondern eine Pause zum Denken. Andere Parteien melden sich dazu nicht zu Wort. Gemeindepräsident Cavelti erklärte, die Sachvorlage liege nicht einfach in der Schublade, sondern man wolle die Nachfrage für die Nutzung des Zeughauses zuerst neu abklären, bevor man investiere, womit die Diskussion an der Gemeinde beendet war.
Vanomsen: «Gemeinde hat nötige Ressourcen»
Auf Anfrage bekräftigt Verena Vanomsen die Bedeutung des Zeughauses als kulturelles Zentrum, aus dem der Kanton ein «Leuchtturmprojekt für bildende Kunst» machen könnte. «Der Kanton kann zwar keine Investitionen in Infrastruktur machen, hat aber die Möglichkeit, per Lotteriefonds Projektbeiträge auszuschütten», erklärt sie. Für Vanomsen ist auch klar, dass das Zeughaus, das momentan durch Freiwillige betrieben wird, nach dem Umbau ein professionelles Eventmanagement erhalten müsste, um die Auslastung deutlich zu erhöhen und das Areal wirklich zu beleben. Die ho-hen Kosten für Sanierung und Umnutzung schrecken sie nicht ab: «Die Gemeinde hat die nötigen Ressourcen und es wäre ein Beitrag für eine lebenswert lebendige Gemeinde», meint sie dazu.
Gross: «Wäre ein Meilenstein gewesen»
Sie wird darin unterstützt von Ladina Gross, Präsidentin der Freienbacher Kulturkommission: «Ich persönlich finde es wahnsinnig schade, dass das Projekt gestoppt wurde. Ich hatte grosse Hoffnung in das Projekt Zeughaus. Kulturpolitisch wäre das im Kanton Schwyz ein Meilenstein gewesen. Gerne hätte ich die Meinung der Freienbacher Stimmbevölkerung gewusst», meint Gross enttäuscht.Sie sieht durchaus Bedarf für die Räume in einem sanierten Zeughaus. «Aus der Umfrage der Vereinskonferenz hat sich gezeigt, dass der grösste Bedarf im Bereich von Konzerträumen besteht und an Raum für Versammlungen. Die Musikschule wäre sehr interessiert gewesen, die eigenen Konzerte im Zeughaus durchzuführen. Ausserdem wurde Interesse für interkulturelle Treffen und Feste bekundet, für Kinoabende, Lesungen, Vorträge und natürlich Ausstellungen durch den Kanton und die Kulturkommission. » Angesprochen auf die Sanierung meint sie, es sei schon immer klar gewesen, dass es teuer werde, wenn das Zeughaus vom Kaltbau zu einem beheizten Gebäude werden solle.
Stähli: «Räume sind ideal für Ausstellungen aller Art
Tatsächlich sieht man auch auf Kantonsebene eine Perspektive für das Kulturzentrum in Pfäffikon. «Bis vor rund drei Jahren standen wir in einem konstruktiven Dialog mit der Gemeinde Freienbach. Dennoch kam für uns dieser Projektstopp unerwartet», stellt Landammann und Bildungsdirektor Michael Stähli fest. Dass der aktuelle Gemeinderat den Nachfrage-, beziehungsweise Nutzungsbedarf nochmals klären wolle, sei vor dem Hintergrund der mutmasslichen Investitions-summe jedoch nachvollziehbar. Aber Stähli stellt sich klar hinter die Sanierungspläne: «Das ehemalige Zeughaus in Pfäffikon eignet sich ideal als dezentraler Kulturstützpunkt im Raum Ausserschwyz, insbesondere für bildende Kunst und Ausstellungen. Die grossen, schlichten Räume sind ideal für Ausstellungen aller Art. Zusätzliche Vorteile sind die gute Verkehrsanbindung, Parkplätze, ein grosszügiger Aussenbereich für weitere Ausstellungsmöglichkeiten und eine gute Grundinfrastruktur. Kulturelle Nutzungen sollen ganzjährig möglich sein.» Die kantonale Kulturkommission habe zuhanden der Gemeinde Freienbach ein klares Interesse an einer Mitnutzung des Alten Zeughauses artikuliert und auch eine ganze Reihe von möglichen Nutzungen aufgezeigt. Dieses Bekenntnis bestehe weiterhin, so der Bildungsdirektor. «Die Strategie der Kulturkommission beinhaltet, das alte Zeughaus Pfäffikon als Schwerpunkt für bildende Kunst zu nutzen. Die Kommission würde, so die Absicht, ihre kantonale Ausstellungstätigkeit in Pfäffikon konzentrieren.» Bezüglich Finanzierung gibt Stähli allerdings zu bedenken, dass eine direkte Projektbeteiligung des Kantons ausgeschlossen sei. Mit Mieten und Nutzungen würde jedoch eine finanzielle Unterstützung erfolgen. Klarzustellen sei auch, dass die kantonale Kulturkommission einen allfälligen Kulturstützpunkt Pfäffikon allein nicht auslasten könne. Eine kontinuierliche Auslastung erfordere weitere Partner, wie etwa die Kulturkommissionen der Gemeinden und Bezirke, Kunstvereine und weitere Partner. «Es braucht eine ausgereifte und überzeugende Projektvorlage sowie den richtigen Moment, um die Akzeptanz und die Mehrheit für die erforderliche Ausgabenbewilligung zu erhalten. Er erwarte, dass die Gemeinde Freienbach die Denkpause wirkungsvoll nutzen werde.
Cavelti: «Projekt existiert nicht als Sachvorlage»
Gemeindepräsident Cavelti bleibt bei der Position des Gemeinderates – das Projekt bleibt gestoppt: «Das Projekt existiert nicht als Sachvorlage und eine solche wird vorläufig nicht ausgearbeitet», stellt er klar. «Es ist wie bei Huhn und Ei – was war zuerst da, Angebot oder Nachfrage?» Für ihn ist offensichtlich, dass zuerst die Nachfrage für die Nutzung vorhanden sein muss. «Im vergangenen Jahr wurde eine Umfrage bei den Vereinen gemacht, die nur eine kleine Liste an Nutzungswünschen ergab», erklärt er. Eine Investition von 13,6 Millionen Franken ohne Rechtfertigung sei kein gangbarer Weg. «Das Zeughaus soll als Kaltbau intensiver genutzt werden», erklärt er die Strategie des Gemeinderates. Falls nötig, könne die Betriebskommission personell verstärkt werden. Gegenüber den Vorschlägen der Projektgruppe und des Kantons bleibe man offen. Die Agenda des Zeughauses habe durchaus noch Platz für zusätzliche Aktionen. Cavelti sieht durchaus Vorteile im gegenwärtigen Projektstillstand: «Viele Köpfe beginnen zu denken – das ist positiv», meint er optimistisch. Zudem habe der Zeughausbau aus den Vierzigerjahren durchaus einen besonderen Charme, der bei einer Umnutzung möglicherweise «wegsaniert» würde. Schliesslich werde das Areal auch als praktischer Ausweichparkplatz zum Beispiel bei Anlässen im Schulhaus Weid benutzt, fügt er an.
Das Zeughaus im Rückblick
2012 stimmt die Gemeinde Freienbach dem Kauf des Zeughauses im Baurecht mit rund 70 Prozent der Stimmen zu. 2013 scheiterte eine Initiative der SP, die das halbe Zeughausareal für Wohnraum nutzen will. Bis 2016 werden durch die Betriebsgruppe das Nutzungskonzept und das Betriebsreglement erstellt. Parallel dazu bildet sich die IG Zeughaus, die in Freiwilligenarbeit den operativen Teil übernimmt. Seither lädt die IG Zeughaus zwei Mal jährlich zum Zeughausfest ein. Vereinsanlässe, wie etwa die Velobörse oder Ausstellungen regionaler und kantonaler Kulturorganisationen, zum Beispiel «Kunst Schwyz», haben sich etabliert. Es wird jedoch bemängelt, dass das Zeughaus als Kaltbau nur im Sommerhalbjahr nutzbar ist und dass es für eine bessere Auslastung einen bedarfsgerechten Ausbau und ein neues Konzept braucht. 2022 bewilligt die Gemeinde schliesslich 150 000 Franken für die Planung von Jugendräumen, Schwingkeller und Narrenmuseum und eine Verbesserung der künftigen Nutzung. Die jährlichen Kosten für die Gemeinde (ohne Zinsen und Abschreibungen) werden mit rund 72 000 Franken beziffert.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Eugen von Arb
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