Dies & Das

Schwyzer haben den Machtwechsel mitbegründet

Der Historiker Peter Niederhäuser referierte über den Niedergang von Burgund und den daraus folgenden Aufstieg von Habsburg.

«Herzog Karl der Kühne verlor in Grandson das Gut, in Murten den Mut und in Nancy das Blut.» Diesen dramatischen Schüttelreim kennen alle aus der Volksschule. Aber warum ist es überhaupt zu den Burgunderkriegen von 1476 und 1477 gekommen? Und welche Auswirkungen hatten sie im europäischen Machtgefüge? Über diese komplexen spätmittelalterlichen Zusammenhänge hat im Rahmen der Vorträge im Bundesbriefmuseum der Historiker Peter Niederhäuser, Winterthur, referiert. Durchgeführt wurden die Vorträge vom Historischen Verein des Kantons Schwyz. Beide Vorträge gingen vor erneut restlos gefüllten Stuhlreihen über die Bühne, mit einem an Geschichte interessierten Publikum. Niederhäuser ist ein in Landes- und Adelsgeschichte ausgesprochen erfahrener Historiker, der ein grosses Verzeichnis an Publikationen aufweisen kann.

 

Den «glänzendsten Fürsten überwunden»

An den drei Schlachten in Grandson, Murten und Nancy waren natürlich auch die Schwyzer beteiligt. Die drei Siege haben den Nimbus der kriegerischen Eidgenossen erst recht bestätigt, welche hier als «kleines Volk von Hirten und einfachen Bürgern den glänzendsten Fürsten Europas überwunden haben». Allerdings wird heute die Macht und das Potenzial der Truppen von Herzog Karl relativiert. Gemäss Niederhäuser war die burgundische Armee zwar absolut modern ausgerüstet und hatte hohe Schlagkraft, wurde aber taktisch schlecht geführt. So konnten die Eidgenossen diese Armee erfolgreich schlagen, sie leiteten damit das Ende von allen burgundischen Ambitionen für ein eigenes Königreich ein. Burgund, dazu gehörten nicht nur die Gebiete um Dijon, Beaune und Macon, sondern auch im Norden Flandern, Luxemburg und Brabant mitsamt ihren reichen Städten. Karl der Kühne versuchte die Expansion nach Lothringen und ins Elsass, um so die beiden Teilreiche verbinden zu können. Da kamen ihm die Eidgenossen dazwischen, vor allem die Berner, welche in die Westschweiz einmarschiert sind und die burgundischen Orte erobert haben: der Auslöser dieser Kriege.

 

Habsburg heiratete sich an die Macht

Ebenso verheerend wie diese militärischen Niederlagen waren die Folgen, welche mehrere Jahrhunderte lang die europäische Geschichte mitgeprägt haben. Die Eidgenossen verzichteten gegen die Bezahlung von 100’000 Gulden – eine enorme Summe – auf die Einnahme des Burgunds. Darauf hatte Frankreich hier freie Hand. Durch die Heirat von Maria von Burgund, der Tochter von Karl dem Kühnen, mit dem habsburgischen Maximilian gelangten darauf die heute belgischen und niederländischen Gebiete unter den Einfluss Habsburgs, das sich so innerhalb von wenigen Jahrzehnten zur Grossmacht in Europa entwickeln konnte. Dadurch und durch weitere Heiraten entstand das riesige Reich mit Österreich, Ungarn, Schlesien, Böhmen, Mähren, den Niederlanden, Spanien, Neapel, Sizilien und Sardinien. Daraus wiederum hat sich die brisante geostrategische Situation ergeben, dass das grosse Frankreich zwischen diesen habsburgischen Gebieten «eingeklemmt» war. «Eine blutige, ewige Feindschaft zwischen Frankreich und Habsburg», wie Niederhäusern bestätigte, die erst 1756 mit dem Versailler Vertrag endete. Mit diesem spannenden Referat endete die vierteilige Serie «4-mal Schweizer Geschichte» im Bundesbriefmuseum. Die nächste Serie wird sich mit einem Vortrag unter dem Motto «Rivalität und Koexistenz» ab Dezember mit dem Verhältnis von Schwyz zum Kloster Einsiedeln befassen.

 

Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher

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Bote der Urschweiz

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Publiziert am

16.03.2026

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