Musik

«Seid lieb zueinander»

Leadrain ist eine Band aus Einsiedeln und steht im Finale des BandXsz Wettbewerb. Zwischen Verstärkern, Gitarren und einer abgewetzten Couch proben drei 20-Jährige für ihren bisher grössten Auftritt und bleiben dabei erstaunlich bodenständig.

Der Weg zum Bandraum von Leadrain führt ins Ziegelei-Areal. Schon beim Eintreten wird klar: Hier wird nicht nur Musik gemacht, hier wird gelebt. An den Wänden hängen Gitarren, Kabel schlängeln sich über den Boden zu Verstärkern und Effektgeräten, dazwischen stehen Schlagzeugteile und Technik. In einer Ecke wartet eine braune Kunstleder- Couchgarnitur, deren beste Zeit längst vorbei ist.

Als ich mit Laptop und Kamera ankomme, sind die drei Bandmitglieder bereits anwesend. Wissend, dass es auch einen Fototermin gibt, stehen sie in ihren Leder- und Jeansjacken mitsamt brandneuen schwarzen Stiefeletten da. Es ist genau das Bild, das man von einer jungen Metal-band erwartet: authentisch, unkompliziert und lässig. Auf dem Tisch stehen mehrere Aschenbecher, kaum habe ich Platz genommen, wird mir ein Bier in die Hand gedrückt. Ich fühle mich sofort willkommen.

 

Mehr als nur Metal

Leadrain besteht aus drei jungen Männern, die alle erst 20 Jahre alt sind. Trotz ihres Alters wirken sie eingespielt. Vielleicht liegt es daran, dass sie ihre Rollen innerhalb der Band genau kennen. Schlagzeuger Nick beschreibt sich auf der Bühne als extrovertiert. «Ich habe mega Spass dabei und singe sogar die Lyrics mit», erzählt er. Gitarrist und Sänger Aron sieht sich selbst etwas kritischer. Er versucht sich aber bewusst viel zu bewegen. «Ich bin halt auch etwas ans Mikrofon gebunden.» Bassist Andreas gibt offen zu, dass er vor Auftritten nervös wird. Er bezeichnet sich als unerfahren. «Aber mit drei Spassgetränken gehts rund», sagt er lachend.

 

Die Mischung macht es aus

Abseits der Musik bringt jeder etwas anderes in die Band ein. Nick kümmert sich um die sozialen Medien und das Management der Online-Auftritte. Andreas sorgt für Ruhe, wenn die anderen nervös werden. Aron wiederum sei laut seinen Bandkollegen für die positive Energie verantwortlich, die im Bandraum herrscht. Entstanden ist Leadrain eher zufällig. Nick und Andreas kannten sich aus der Berufsschule und begannen gemeinsam Musik zu machen. Damals wurde noch auf Schweizerdeutsch gesungen und sogar aus Spass eine eigene Version von «Whiskey in the Jar» gespielt. «Am Anfang kannten wir uns noch gar nicht so gut», erinnert sich Aron.

Der heutige Bandname entstand erst deutlich später. Über ein Jahr lang spielte die Gruppe ohne festen Namen. «Bandnamen sind schwierig», sagt Nick. «Es gibt heutzutage einfach schon so viele.» Nach verschiedenen Wortspielen und Übersetzungen landeten die Musiker schliesslich beim englischen Begriff «Leadrain» – einer Abwandlung von «Bleiregen».

 

«Büezer» vom Dorf

So laut und energiegeladen die Musik der Band auch ist, ihr Alltag könnte bodenständiger kaum sein. Aron arbeitet als Schreiner und verbringt auch nach Feierabend viel Zeit im Bandraum. Wenn dieser gerade nicht von den beiden anderen Bands genutzt wird, die sich die Räumlichkeiten mit Leadrain teilen, übt er an seiner Gitarre. Andreas arbeitet als Metallbauer in Samstagern und wohnt in Einsiedeln. Seine Freizeit verbringt er neben der Musik gerne mit Freunden beim Pokern oder beim Verfolgen von Eishockeyspielen. Nick ist ebenfalls Metallbauer aus Rothenthurm und arbeitet in Goldau. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt er täglich zur Arbeit. «Ich bin nicht so der Morgenmensch», sagt er schmunzelnd. Musik begleitet ihn jedoch den ganzen Tag. Zu Hause besitzt er mittlerweile fünf Schlagzeuge. Entstanden ist die kleine Sammlung eher zufällig, nachdem ihm der Vormieter eines früheren Bandraums zwei Instrumente geschenkt hatte.

 

Männer für andere Töne

Überraschend wird es, als die Rede auf ihre privaten Hörgewohnheiten kommt. Wer bei einer jungen Metalband ausschliesslich harte Gitarrenriffs erwartet, liegt daneben. Nick hört leidenschaftlich gerne Abba und Popmusik aus den 70er- und 80er-Jahren. Besonders Synthesizer-Klänge haben es ihm angetan. Selbst David Hasselhoff zählt zu seinen heimlichen Favoriten. Andreas greift in letzter Zeit häufig zu berndeutschem Hip-Hop, während Aron neben Abba und den Metal-Klassikern sogar mexikanische Volksmusik hört. «Irgendwie gleicht mich das aus», sagt er und lacht.

Die Leidenschaft für Musik ist bei allen spürbar. Besonders dann, wenn sie über ihre Vorbilder sprechen. Black Sabbath wird mehrfach genannt. Während sich Andreas bei seinen Texten von Bands wie Crowbar inspirieren lässt, versucht Nick wie sein Vorbild Bill Ward von Black Sabbath, Elemente aus dem Jazz in seinen Schlagzeugstil einzubauen. Die Texte der Band beschäftigen sich nicht mit einfachen Wohlfühlthemen. Vielmehr wollen sie zum Nachdenken anregen und gesellschaftliche Fragen aufgreifen.

Überhaupt scheint innerhalb der Band eine grosse gegenseitige Wertschätzung zu herrschen. Nick schwärmt von Arons Gitarrenspiel: «Wenn wir ein Lied covern wollen, wissen Andreas und ich, dass es am nächsten Tag bereits sitzt.» Gleichzeitig lobt er Andreas für dessen Talent beim Schreiben von Texten. Aron wiederum hebt hervor, wie schnell sich Andreas am Bass entwickelt hat. «Er spielt erst seit etwas mehr als einem Jahr Bass und ist schon sehr solide auf der Bühne und im Studio.» Andreas schliesslich nennt Nicks zweite Stimme als besondere Stärke: «Das tönt eifach huere geil.»

 

Herausforderungen und der BandXsz-Contest

Die grösste Herausforderung der Band war bislang das Aufnehmen eigener Musik. «Im Studio mit Kopfhörern zu spielen, ist schon speziell», erklärt Nick. Doch auch die Vorbereitung auf den BandXsz-Wettbewerb verlief nicht ganz ohne Hürden. Kurz vor dem Halbfinale absolvierte Andreas seinen Militärdienst, wodurch nur wenig Zeit für gemeinsame Proben blieb. Umso grösser war die Freude, als die Nachricht kam, dass Leadrain den Sprung ins Finale geschafft hatte. Trotzdem gehen die drei entspannt an den Wettbewerb heran. Auf die Frage, was für sie einen erfolgreichen Finalabend ausmachen würde, fällt die Antwort einstimmig aus: Spass haben. «Dass wir es lustig miteinander haben und auch mit den anderen Bands», sagt Andreas. Gewinnen sei schön, aber nicht das Wichtigste.

Auch die Zukunftspläne klingen bodenständig. Während Nick scherzhaft hofft, in zehn Jahren reich und berühmt zu sein, wünschen sie sich vor allem eines: weiterhin gemeinsam Musik zu machen. «Viele Konzerte spielen, eigene Songs schreiben und Freude haben», fasst Aron zusammen. Seine Bandkollegen nicken zustimmend. Zum Schluss darf jeder noch eine Botschaft loswerden. Andreas braucht dafür nur drei Worte: «Seid lieb miteinander.»

 

Ein unaufhaltsamer Zug

Nach dem Interview greifen die drei schliesslich zu ihren Instrumenten. Sie spielen noch drei Songs, darunter einen neuen eigenen Titel, der am BandXsz-Finale erstmals vor Publikum zu hören sein wird. Und plötzlich sind alle Worte vergessen. Die Gitarren setzen ein, das Schlagzeug treibt unerbittlich vorwärts, der Bass legt das Fundament. Die Energie der Band wirkt ansteckend. Die Songs rollen durch den Raum wie ein Zug, der nicht mehr aufzuhalten ist. Innerhalb weniger Sekunden habe ich ein breites Grinsen im Gesicht. Der neue Song zeigt eindrücklich, wohin die Reise von Leadrain gehen könnte. Die Band wirkt eingespielt, hungrig und voller Tatendrang. Wer den drei Musikern zuhört, merkt schnell, dass es ihnen nicht um Ruhm oder grosse Gesten geht. Sie wollen gemeinsam Musik machen, Konzerte spielen und dabei Freude haben.

Wer glaubt, Metal sei nur etwas für eingefleischte Fans, sollte Leadrain am 20. Juni beim BandXsz-Finale in Tuggen erleben, oder knapp einen Monat später, am 15. August, am Kultursommer im Paracelsuspark. Die Musik mag hart sein. Die Nonchalence dieser drei jungen Musiker, die Energie der Musik, die sie rüberbringen, so klingen grosse Bands mit grossen Namen wie Slayer – oder Black Sabbath. Aber es sind drei Geschichten von jungen Männern aus unserer Region, die auf einem ho-hen Niveau Musik machen.

 

Einsiedler Anzeiger / Stefan Bisig

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Kategorie

  • Musik

Publiziert am

16.06.2026

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