Bühne
«Tanz ist für mich Therapie»
Der Erfolg der «Spice Angels» am School Dance Award hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Hintergrund wirkte Nathalie Bettschart, die die Gruppe leitete und prägte. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Weg, ihrer Motivation und davon, was Tanz für sie bedeutet.
Stefan Bisig: Der Erfolg der «Spice Angels» hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt – wie haben Sie diesen Moment persönlich erlebt?
Nathalie Bettschart: Das war ein riesiges Geschenk. Zu sehen, wie sich der ganze Einsatz auszahlt, macht unglaublich stolz. Wir haben über Monate intensiv gearbeitet, und dieser überwältigende Moment war wie das Ernten der Früchte. Für die Schülerinnen ist es auch eine wichtige Erfahrung: Sie sehen, dass man Ziele erreichen kann, wenn man sich wirklich reinhängt, an sich glaubt und zusammenhält.
Wer ist Nathalie Bettschart – wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Ich bin eine aufgeschlossene, temperamentvolle und zielstrebige Person. Gleichzeitig bin ich strukturiert, aber auch feinfühlig und spontan – eine Mischung aus rational und intuitiv. Ich bin etwas perfektionistisch veranlagt und empfinde dies nicht immer als Vorteil ... Mir ist wichtig, authentisch zu sein – sowohl im Beruf als auch im privaten Umgang mit Menschen.
Was beschäftigt Sie aktuell in Ihrem Leben, abgesehen vom Tanz?
Ich arbeite seit über 30 Jahren als Primarlehrerin, unterrichte die dritte und vierte Klasse in Wädenswil und mache das nach wie vor sehr gerne. Inzwischen habe ich mein Pensum reduziert, weil ich gemerkt habe, dass ich meiner Leidenschaft für den Tanz mehr Raum geben möchte.
Was fasziniert Sie bis heute am Tanz?
Tanz bereichert mein Leben. Für mich hat er sogar etwas Therapeutisches. Wenn ich Sorgen habe, hilft mir das Tanzen. Es verändert etwas in mir, in meinen Gedanken; es zentriert mich und verschafft mir Zugang zu meiner Seele. Tanz ist etwas sehr Ursprüngliches, das es seit jeher gibt und das Menschen verbindet.
Wie würden Sie Ihre Rolle als Leiterin einer Tanzgruppe beschreiben?
Ich sehe mich als jemand, der organisiert, koordiniert, korrigiert und auch mal klare Entscheidungen trifft. Gerade bei jungen Gruppen ist das wichtig, damit man vorwärtskommt. Gleichzeitig unterstütze ich die Tänzerinnen, gebe Inputs und helfe, wenn sie beim Choreografieren und Kreieren feststecken.
Was ist Ihnen im Umgang mit jungen Tänzerinnen besonders wichtig?
Das Teambuilding und die Stärkung des Selbstbewusstseins stehen im Zentrum. Es ist schön zu sehen, wie aus Einzelnen eine Einheit wird. Es gibt viele eher schüchterne Kinder, die durch den Tanz aufblühen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln.
Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für Choreografien und Ihre Arbeit?
Für Wettbewerbe lasse ich den Schülerinnen freie Hand für den Prozess des Choreografierens. Es soll ein Gemeinschaftswerk werden, welches ihre Persönlichkeiten widerspiegelt. Angepasst nach Tanzstunde und Alter der Schülerinnen greife ich auf meinen eigenen Fundus an Bewegungen zurück, die aus dem Contemporary, Hip-Hop, Jazz oder Oriental Dance stammen. Ab und zu lasse ich mich auch von Plattformen wie Youtube inspirieren. Für mich ist es jedoch immer wichtig, dass die jungen Tänzerinnen ihre eigenen Ideen einbringen können.
Was inspiriert Sie im Alltag oder auch ausserhalb des Tanzes?
Vor allem Musik. Klänge, Frequenzen, Melodien und Rhythmen tragen uns durch gute und schwierige Zeiten. Musik spiegelt Emotionen wider und bewegt etwas in uns – das ist für mich eine grosse Inspirationsquelle.
Sie sagen, Tanzen sollte allen offenstehen und nicht nur bewertet werden – was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Mir ist wichtig, dass Tanzen nicht nur leistungsorientiert gesehen wird. Jeder Mensch kann tanzen lernen, wenn er die Leidenschaft dafür mitbringt. Es ist etwas Tiefgreifendes, das allen zugänglich sein sollte.
Sie haben die Vision, Tanz möglichst vielen Menschen näherzubringen – wie sieht diese Zukunft für Sie aus?
Im Moment arbeite ich vor allem mit Kindern und Jugendlichen, aber das werde ich nicht ewig machen können. Später möchte ich mich stärker auf die ältere Generation konzentrieren, zum Beispiel mit orientalischem Tanz. Es gibt viele Menschen, die sich das wünschen, und ich werde oft darauf angesprochen. Ausserdem werde ich auch weiterhin Leute mit meinem Tanz begeistern und berühren wollen, solange es mir mein Körper erlaubt. Mit der Zweierformation «SoulDance» trete ich seit vier Jahren regelmässig in den verschiedensten Institutionen wie zum Beispiel Kirchen, Firmen, Altersheimen oder an privaten Anlässen auf.
Was bedeutet Tanz für Sie – in einem Satz?
(Lacht) Das ist schwierig in einem Satz: Tanz bedeutet für mich, ganz in meine eigene Essenz zu kommen, meine Mitte und Bodenständigkeit zu finden und gleichzeitig dieses Gefühl zu haben, fast zu fliegen
Einsiedler Anzeiger / Stefan Bisig
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Einsiedler Anzeiger
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