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«Was bringts?»: Kulturgelder auf dem Prüfstand anhand der Besucherzahlen

Soll der Wert der finanziellen Unterstützung des Kantons für Schwyzer Kulturschaffende an Besucherzahlen gemessen werden? Die Meinungen in der Branche sind geteilt.

1182 Gäste und somit 3,2 pro Tag verzeichnete die Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln im Jahr 2023. Aus der Kultursparte des Schwyzer Lotteriefonds erhielt die Bibliothek im selben Jahr rund 287’000 Franken vom Kanton ausbezahlt. Umgerechnet auf den Betrag pro Gast sind das rund 243 Franken, welche der Kanton 2023 pro Besucherin und Besucher an die Bibliothek an Fördergeldern abgelegt hat.

«Was bringts?» – Dies sei stets die Parole des «Boten» rund um die Berichterstattung der Bibliothek gewesen, anstatt auf «die Zwecksetzung der Stiftung vordringlich geforderter wissenschaftlicher Arbeit» zu verweisen, kritisierte Stiftungsratspräsident Werner Oechslin, nachdem der Schwyzer Kantonsrat die finanzielle Unterstützung für seine Bibliothek bachab geschickt hatte.

Die Frage «Was bringts?» ist immer ein heisses Eisen, wenn es um Staatsausgaben im Kulturbereich geht. Und sie ist wohl eher philosophischer als rein logischer Natur. Denn anders als zum Beispiel in der Wirtschaft gibt es für Ausgaben im Kulturbereich kaum einen messbaren Parameter für den Wert einer Kulturstätte oder eines kulturellen Anlasses.

 

Regierung hält wenig von Besucher-Beitrag-Vergleich

Einen Anhaltspunkt für deren Wert könnten jedoch die Besucherzahlen von Kulturstätten oder Kulturanlässen liefern. Der «Bote» hat eine Übersicht zusammengestellt, welche die Besucherzahlen mit Ausgaben aus dem Kulturfonds, die 10’000 Franken übersteigen, vergleicht (siehe Tabelle).

Auch bei einem solchen Vergleich kann man die Frage «Was bringts?» stellen. «Wenig sinnvoll», lautet die Antwort der Schwyzer Regierung. « Einzelne Kulturveranstaltungen sind auf grösseres Publikum ausgerichtet, andere bedienen bewusst Nischen. Aufgabe der Kulturförderung ist es, ein breites Spektrum mit allen Kultursparten zu unterstützen», erklärt Regierungsrat Michael Stähli auf Anfrage.

 

Ohne Förderbeiträge keine Kulturanlässe

Was aber halten die Kulturschaffenden selbst von einem solchen Vergleich? Eine Veranstaltung, die eine Nische bedient, dürfte zum Beispiel das Othmar Schoeck Festival in Brunnen sein. Mit rund 44 Franken pro Besucherin oder Besucher erhielt das Festival 2024 einen vergleichsweise hohen Betrag pro Kopf. «Der Wert eines kulturellen Anlasses kann und sollte nicht in Zahlen aufgewogen werden. Auch die kantonalen Beiträge an die Oechslin-Bibliothek sind im gesamtschweizerischen Vergleich ziemlich moderat», so Festival-Veranstalter Alvaro Schoeck über die Förderbeiträge. Ein Konzert am Festival koste im Durchschnitt etwa 25 ’ 000 Franken. «Das ist real, wenn gut ausgebildete Menschen proben, auftreten und in Brunnen übernachten sollen. Die Eintrittskarten wären unerschwinglich, gäbe es die privaten Stiftungen und die öffentliche Hand nicht», so Schoeck weiter.

Mit 7.70 Franken pro Zuschauendem kommen auch die Rigi-Festspiele mit einem im Vergleich eher höheren Förderbeitrag weg. « Wir haben uns sehr gefreut über die 50’000 Franken aus dem Lotteriefonds. Eine so grosse kulturelle Veranstaltung mit über 200 Mitwirkenden aus der Region ist schwierig ohne Kulturbeiträge und Sponsoren zu finanzieren», sagt Ivan Steiner, Marketing- und Kommunikationschef der Rigi Bahnen AG.

 

Beitragshöhen sorgen auch für Kritik

Weniger erfreut über die Höhe der kantonalen Förderbeiträge zeigt sich Roger Bürgler. Der Gersauer organisiert mit seiner Eventfirma Kulturwerk.ch unter anderem das Festival «Der Herbst». 2024 erhielt das Festival umgerechnet 2.76 Franken an Kulturgeldern pro Besucher zugesprochen. «‹Der Herbst› wird vom Lotteriefonds derzeit mit vier Prozent des Produktionsaufwands unterstützt. Das ist in meinen Augen massiv zu wenig, und wir hoffen schon lange, dass dies endlich korrigiert wird», kritisiert Bürgler.

Die Korrektur könne zum Beispiel mit einer adäquaten Leistungsvereinbarung erfolgen. Dies sei gerade auch mit dem erwarteten Wegfall der Unterstützungsgelder seitens Casino Pfäffikon angezeigt (der «Bote» berichtete). Zudem würden Stiftungen jährlich wiederkehrende Projekte und Veranstaltungen nicht automatisch unterstützen, weshalb langjährige Partnerschaften mit Unternehmen von umso grösserer Bedeutung seien, wie Bürgler ausführt.

 

Aus dem Kanton, mit dem Kanton, im Kanton

Neutraler geben sich die Betreiber des Gaswerks in Seewen, welche 2024 20’000 Franken an Förderbeiträgen erhalten haben. «Wir nutzen die Unterstützungsbeiträge aus dem Lotteriefonds für unsere Konzertserie ‹Local Stage› – also für Konzerte mit Bands aus dem Kanton Schwyz. 2024 waren dies 23 Konzerte mit rund 3500 Besuchenden, welche dieser Kategorie zugeordnet werden konnten», sagt Geschäftsleitungsmitglied Sandro Duss. Die Konzertserie, welche umgerechnet also 5.71 Franken pro Besucher erhält, decke zwei Gruppen von kulturinteressierten Akteuren im Kanton Schwyz ab. «Junge, lokale Musikerinnen und Musiker können vor einheimischem Publikum auftreten. Eine musikalische und kulturelle Win-win-Situation für den Kanton, mit dem Kanton, im Kanton Schwyz», ergänzt Sacha Burgert, ebenfalls Geschäftsleitungsmitglied des Gaswerks.

 

Bote der Urschweiz / Damian Bürgi

 

 


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Bote der Urschweiz

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Publiziert am

26.11.2025

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