Bühne
Musik
Wenn sie Regie führt und er den Ton angibt
Die Winterthurerin Ramona Fattini ist Schauspielerin, der Galgener Pirmin Huber Musiker. Im Zürcher Bernhard Theater bringt das Ehepaar mit der Komödie «Traumhochzeit» sein erstes gemeinsames Werk auf die Bühne.
Auf der Bühne des Zürcher Bernhard Theaters wird derzeit geliebt, gestritten und herzhaft gelacht: Mit der Komödie «Traumhochzeit» präsentieren Schauspielerin Ramona Fattini und ihr Ehemann, der Musiker Pirmin Huber, ihre erste gemeinsame Theaterproduktion. «Traumhochzeit» ist eine klassische Boulevard-Komödie voller Tempo, Herz und Situationskomik. «Ein Bräutigam wacht am Morgen seiner Hochzeit mit der falschen Frau auf – und von da an nimmt das Chaos seinen Lauf», erzählt Fattini. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wissen stets mehr als die Figuren – ein bewährtes Rezept für unterhaltsames Theater. Für ihre erste Abendproduktion setzt Ramona Fattini bewusst auf frische Gesichter: Fünf junge Schauspielerinnen und Schauspieler stehen gemeinsam mit zwei erfahrenen Theatergrössen auf der Bühne.
Rockige Musik
Für die musikalische Gestaltung zeichnet Pirmin Huber verantwortlich – ein Name, der in der Schweizer Musikszene längst etabliert ist. Der Galgener Bassist und Komponist ist bekannt für seine innovative Verbindung von Ländlermusik und elektronischen Klängen. «Ich wollte einen Sound, der zum jungen Ensemble und zur energiegeladenen Geschichte passt», erklärt Huber. Herausgekommen ist ein rockig-poppiger Mix mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug, die er zusammen mit dem Sarganser Brüder-Duo Dominik und Fabian Eberle im Studio eingespielt hat. «Uns war wichtig, dass die Musik im Theater lebendig bleibt, eingespielt von echten Musikern im Studio », sagt er. Gemeinsam zu arbeiten, sei für das Paar «eine schöne neue Erfahrung». Fattini erklärt: «Im Theater liegt die Regie bei mir, die Musik bei Pirmin – wir ergänzen uns sehr gut.» Auch Huber betont den partnerschaftlichen Austausch: «Wir entscheiden vieles zusammen und hören aufeinander – das ist das Schöne daran.»
Märchen am Nachmittag, Komödie am Abend
Während abends das Chaos der «Traumhochzeit» für Lacher sorgt, verwandelt sich die Bühne tagsüber in eine farbenfrohe Märchenwelt. Die Zürcher Märchenbühne, deren Leitung Fattini 2024 übernommen hat, zeigt parallel den beliebten Kinderklassiker «Räuber Hotzenplotz». Da das Stammhaus der Märchenbühne am Hechtplatz derzeit umgebaut wird, teilen sich die beiden Produktionen eine Bühne «Da aber beides von uns produziert wird, mussten wir nur mit uns selbst Kompromisse eingehen», so Fattini. Trotzdem muss die Bühne in den sechs Wochen, in denen die beiden Produktionen aufgeführt werden, mehrmals umgebaut werden. Doch der Aufwand lohnt sich: Der «Räuber Hotzenplotz» zählt zu den erfolgreichsten Märchenproduktionen der letzten Jahre und begeistert mit seiner interaktiven Art ein junges Publikum, das lautstark mitfiebert, wenn Kasperl und Seppli dem Räuber eine Falle stellen. «Die Kinder gehen total mit – sie rufen, lachen, helfen uns auf der Bühne. Das ist unbezahlbar», sagt die Winterthurerin. Auch beim «Hotzenplotz» sorgt Huber für die Musik. Dabei achtet er darauf, dass diese nicht zu einschüchternd ist. «Es darf nicht zu laut sein und die Bässe dürfen nicht zu stark wummern, sonst bekommen die Kinder Angst», erklärt der Galgener. «Bei Märchen sollte die Musik eher fröhlich und geheimnisvoll sein, bei Abendproduktionen darf sie auch groovig und frecher sein.»
Familienleben verlangt Planung
Bevor Ramona Fattini und Pirmin Huber ein Paar wurden, hatten die beiden keine grossen Berührungspunkte mit der Kunst des anderen. «Ich habe als Kind nie Märchen gehört», sagt der Galgener lachend. In der Schule und im Studium sei er zwar mit Theater in Berührung gekommen, «aber natürlich nicht in dem Mass, in dem Ramona das macht». Fattini ihrerseits kannte zwar die traditionelle Ländlermusik durch ihren Grossvater. «Ich ging aber selten an Konzerte», sagt sie. Auf die Frage, ob sie in ihren Produktionen auch so experimentierfreudig ist wie ihr Mann in seiner Musik, antwortet sie: «Die experimentellen Theaterstücke sind nicht so meins. Ich habe lieber traditionelle Geschichten.» Die Märchen passt sie aber teilweise der heutigen Zeit an, «vor allem solche mit veralteten Rollenbildern». Neben Theater und Musik teilen Ramona Fattini und Pirmin Huber eine dritte Leidenschaft: die Familie. Ihr zweijähriger Sohn Valerio ist oft dabei, wenn geprobt oder komponiert wird. «Valerio liebt Musik und Theater. Er klatscht, tanzt mit und schaut fasziniert zu», erzählt Huber. Der Spagat zwischen Beruf und Familienleben verlangt allerdings Planung: «Wenn ich probe oder spiele, schaut Pirmin auf Valerio und umgekehrt. Auch meine Eltern unterstützen uns sehr», sagt Fattini. «Meine Saison dauert von Oktober bis Mai. Im Sommer kann ich dafür mehr Zeit mit unserem Sohn verbringen.»
Neues Märchen und neue Musik
Die beiden Produktionen «Traumhochzeit » und «Räuber Hotzenplotz» laufen noch bis am 3. Mai. Daneben sind die beiden bereits mit dem neuen Märchen beschäftigt, das in der nächsten Saison im Theater Seefeld in Zürich läuft: «die Zauberorgel». Pirmin Huber komponiert und arrangiert schon jetzt die Musik, damit er diese zusammen mit seinen Kollegen im Sommer aufnehmen kann. Ausserdem arbeitet er an einem neuen Album mit rund 20 Eigenkompositionen, das ab Herbst erhältlich ist. Die Vorfreude ist gross. Und wie sieht es mit einer weiteren Abendproduktion aus? «Wir wollten zuerst schauen, wie das Publikum auf ‹Traumhochzeit› reagiert – aber die Zeichen stehen gut. Die schönen Rückmeldungen geben uns Mut, weiterzumachen », sagt Ramona Fattini mit einem Lächeln.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Irene Lustenberger
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