Dies & Das

Kunst & Design

Wie sich moderne Architektur ins Dorf einfügen kann

Mitten in Einsiedeln zeigen zwei Beispiele, wie sich neue Architektur umsichtig in das bestehende Dorf integrieren lässt. Mit deren Besichtigung startet die 32. Generalversammlung des Architektur Forum Schwyz.

Er könne sich kein schöneres Kompliment vorstellen, meint der Architekt Peter Baumberger. Das von ihm entworfene Wohnhaus der Stiftung Phönix in Einsiedeln fügt sich so rücksichtsvoll in die Nachbarschaft ein, dass Vorbeispazierende meinen, es handle sich um einen Umbau, erklärt der Stiftungsleiter Andy Knaurek. In Bauhöhe, Formgebung und Stil passt es gut ins Quartier. Schindelfassaden und Steildächer wirken vertraut. Hinzu kommt: Die Aufteilung in drei würfelartige Baukörper, die miteinander verbunden sind, lässt das Volumen kleiner erscheinen, als es ist. Mit diesem Ansatz hat das Zürcher Architekturbüro Baumberger Stegmeier vor sechs Jahren den Architekturwettbewerb gewonnen.

 

Geborgenes Wohnen

Nun ist das Haus bezogen und die Bewohnerschaft mit psychischer Beeinträchtigung fühle sich sehr wohl, erzählt Knaurek. Nebst dem moderaten Äusseren mag das auch an der Wohnqualität der 30 Zimmer liegen. In beiden äusseren Flügeln sind jeweils drei oder vier Zimmer über eine gemeinschaftliche Wohndiele erschlossen. Eine dient als Küche, in der für alle zehn Bewohnenden auf jeder Etage gekocht wird. Die andere Diele dient der Gruppe als Wohnzimmer. Darüber hinaus stehen der Hausgemeinschaft drei Loggien, die grosse Dachterrasse, die Werkstatt im Erdgeschoss oder das Säli direkt am Garten zur Nutzung offen. Das Haus ist mit viel handwerklichem Gespür in Holz errichtet und mit einigen Finessen versehen, wie etwa die Gaube im Dach oder die Sitzbank beim Eingang. Die Ausstattung der Zimmer mit Wandverkleidungen oder Möbeln aus Holz strahlt Wohnlichkeit aus.

 

Grosszügig, aber nicht protzig

Nur hundert Meter weiter in Richtung Kloster liegt der Einsiedlerhof. Auch hier fügt sich das Neue gut in den Bestand ein und ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, den die Entwicklungsfirma Halter mit pool Architekten aus Zürich 2020 für sich entscheiden konnte. An ortsbaulich sensibler Stelle, gegenüber dem Kloster, entstand ein Ensemble aus drei Teilen: Den Rand des Paracelsusparks säumt das neue Verwaltungszentrum des Bezirks Einsiedeln. Zum alten Schulhaus hin liegt eine winkelförmige Anlage mit 25 Eigentumswohnungen und am Fuss des Hangs das neue Pfarreiheim. Dort stehen die alten, handwerklich gefügten Sandsteinquader dem neuen, lichten Längsbau aus Beton und Holz gegenüber. Mit der katholischen Jugendkirche St. Wolfgang aus den späten 1940er-Jahren bildet das neue Pfarreiheim einen gemeinsamen Hof. Der plätschernde Brunnen füllt den Raum, auch wenn er leer ist. In fast klösterlicher Anmut begleitet eine Pfeilerreihe den Weg durch den neuen Hof. Durch die grossen Glasscheiben ist der neue Pfarreisaal zu erkennen.

Der Raum wirkt grosszügig, aber nicht protzig. Die dünnen Stahlträger im Charakter von Bahnhofshallen des 19. Jahrhunderts seien auf Zug belastet, referiert der Architekt Andreas Sonderegger, Gründungspartner von pool Architekten. Das erkläre das Geheimnis der fein proportionierten Träger, die das Dach zu schweben bringen – vielleicht ist auch etwas göttlicher Beistand dabei.

 

Neue Wege und Plätze

Vor dem Saal liegt ein Foyer, nutzbar wie ein kleiner Saal. Hier ist der Empfang sowie der Zugang zu den Pfarreibüros und den Räumen der Jugendarbeit. Weiter den Säulengang entlang, trifft man auf einen Quartiersplatz und gelangt über eine Treppe in den höher liegenden Innenhof der Wohnanlage. Dort spriesst bald das Grün in den Gärten, die Clematis schlängelt bis zur Pergola hoch. Diese bekrönt die Bibliothek, die hier als Pavillon in den Innenhof ragt. Mit der Treppe zur Pergola erreicht man auch den Paracelsuspark und dort den Eingang ins Bezirksgebäude. Dieses Wegenetz ist erst mit dem Vorschlag der Architekten entstanden und ein grosser Gewinn fürs Quartier. Die kleinen Plätzchen und Nischen nehmen die Jugendlichen schon jetzt in Beschlag.

 

Einsatz für die Baukultur

Eine Handvoll davon sind denn auch Schaulustige, als die Mitglieder des Architektur Forum Schwyz nach dem Rundgang im Foyer des Pfarrheims zur Generalversammlung Platz nehmen. Die heitere Stimmung des Abends trübt einzig der Abschied von Dominique Knüsel als langjähriges Vorstandsmitglied. Aber mit Vorfreude lädt der Vorstand zu den nächsten Veranstaltungen ein: die Exkursion nach Istanbul im Frühsommer und die Schulbesichtigung in Malters im Herbst. Zentral bleibt der Einsatz des Architektur Forum Schwyz für den Architekturwettbewerb. Die zuvor besichtigten Projekte der Stiftung Phönix und der Einsiedlerhof sind gelungene Beispiele dafür. Sie zeigen, wie die Öffentlichkeit von guter Qualität in Architektur und Dorfbau profitiert.

 

Architekturforum SZ / reda

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kontakt

Kategorie

  • Dies & Das
  • Kunst & Design

Publiziert am

13.05.2026

Webcode

www.schwyzkultur.ch/HMX7tv